
Frankfurter IRONMAN
8. Juli 2012
www.ironman.de

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Mythos IRONMAN ...
Jährlich versuchen sich tausende von Sportlern, mit Einsatz von viel Zeit, Geld, Enthusiasmus und Hingabe für dieses eine Rennen zu qualifizieren. Rund 1700 schaffen es schlussendlich an den Start des sagenumwobenen Anlasses. Für Triathleten ist Hawai’i wie ein heiliger Ort, an den man zumindest einmal im Leben hingepilgert sein muss. Hier war vor 29 Jahren der Ursprung des Ironman-Triathlons. Doch vom Idealismus des einstigen Wettkampfes ist heute nicht mehr viel übrig. Vor allem in den letzten 10 Jahren hat sich enorm viel verändert. Was ist übrig geblieben vom Mythos Hawai’i?
Das erste, was einem Zurückkehrenden bei der Ankunft in Kona wohl auffällt, ist die unheimliche Zunahme des Verkehrs. Wo vor 10 Jahren noch kaum ein Auto rollte, staut sich nun die Blechlawine über mehrere Kilometer. Kona ist nicht mehr das verschlafene Nest, sondern ein ausgewachsenes, massiv überbautes, industrialisiertes Touristenzentrum geworden. Vom sagenumwobenen Aloha-Geist ist anfänglich nur wenig zu spüren. Viel mehr herrschen Aggressivität und Hektik im Strassenverkehr. Nicht nur einmal wurden wir, auf den Velos korrekt fahrend, von Autofahrern mit hier nicht wiederholbaren Ausdrücken beschimpft.
Der Entwicklung folgt manchmal auch eine gewisse Verwahrlosung. Im Ort Kona selbst hatten wir bis im Jahre 2003 nie Obdachlose oder Bettler gesehen. Dies ist jetzt keine Wertung, sondern lediglich eine Beobachtung. Dieses Jahr prägten nicht wenige stark alkoholisierte oder unter Drogen stehende Gestalten sowie eine, vor allem Skateboard fahrende, Jugendszene das Stadtbild.
Der nächste, und für Rückkehrer wohl eindrücklichste Punkt, ist die unglaubliche Verkommerzialisierung des Events. Schon früher lebte die Ortschaft den Anlass in der Vorwoche. In jedem Schaufenster gab es irgendetwas mit dem Ironman-Symbol. Doch dies ist nicht mehr vergleichbar. Die Preise steigen plötzlich rapide an und das ganze Gewerbe ist nur noch auf die Athleten ausgerichtet (vielleicht lieben uns die Einheimischen deshalb so stark, siehe Aggressivität im Strassenverkehr). Der Ironman selbst ist zu einem Verkaufs-Anlass mutiert. T-Shirts für $ 40.-, Pasta-Party für $ 48.-, Finisher-Fotos für $ 30.- usw. werden angeboten. Überall gibt es die Möglichkeit, noch einige Dollars loszuwerden. Es gibt kaum mehr Give-Aways oder Sachen, die man testen könnte. Der Underwear-Run, früher eine lustige Protest-Aktion mit Kult-Status und ca. 20 Teilnehmern, die sich gegen die hochgestylten, narzistischen Athleten mockierte, ist heute ein Grossanlass von über 200 Leuten, an dem man unterdessen Startgeld bezahlt.
Der Ironman selbst ist zu einem unglaublich leistungsorientierten und ambitionierten Anlass geworden. Vor allem unter den Altergruppen-Athleten hat sich ein bemerkenswertes Niveau gebildet. Vor einigen Jahren fanden sich die ersten Teilnehmer frühestens zwei Wochen vor dem Wettkampf ein. Unterdessen sieht man einen Grossteil bereits bis zu vier Wochen vorher auf dem Highway trainieren. Dabei ist eine Aggressivität und eine Konkurrenzhaftigkeit untereinander entstanden, die dem Sport sicherlich nicht nur gut tut. Während dem Wettkampf wird mit einer Verbissenheit und auch einem gewissen Mangel an Fairness (runterreissen des Zeitmessungschip und aggressive Schlägereien während dem Schwimmen, Windschatten Fahren und gefährliches Überholen beim Rad Fahren) gekämpft.
Für Amerikaner waren Heldenstorys schon immer ein wichtiger Teil ihres Lebens. So gab es auch jedes Jahr einige Geschichten, die als Aufhänger dienten. Sei dies der Kampf der Giganten unter den Favoriten oder ein Filmstar, der sich zum ersten Mal an einem Triathlon versuchte. Auch die unterdessen zahlreichen Veloprofis (Udo Bölts, Kai Hundertmark, Laurent Jalabert usw.), die ihren Einstand auf Hawaii hatten, oder Hausfrauen, die sich neben der Familien-Betreuung und 50 Kilo Gewichtsabnahme an den Start wagten, waren grosse Themen. In den letzten Jahren traten immer mehr medizinische Hauptthemen in den Vordergrund. Zuerst waren es Leute, die zum Beispiel den Krebs besiegt hatten oder sonst irgendeiner Krankheit trotzten, oder Leute, die für einen guten Zweck (z.B. Kampf gegen Leukämie) sammelten. Diesen wurde dann auch entsprechend viel Publizität eingeräumt, manchmal so viel, dass man das Gefühl erhielt, bei Ironman ginge es nur noch darum. Diese Welle verebbte im 2007 ein wenig und machte den physically challenged athletes, also den Athleten mit einer körperlichen Behinderung Platz. Im Vordergrund standen dabei die erste oberhalb-Knie-amputierte Frau und der erste beidbeinig-oberhalb-Knie-amputierte Mann, die einen Ironman absolvierten. Die Emotionen bei den Triathleten waren jedenfalls deutlich zu spüren.
Es hat sich viel verändert auf der Pazifikinsel und wer den ursprünglichen Mythos sucht, der wird bestimmt enttäuscht sein. Kommerz, Verkehr, Bauboom, Aggressivität und eine immer grössere Leistungsgeilheit bei den Athleten rücken vom ehemaligen Spirit weg. Ein eindeutiger Indikator dafür ist bestimmt, dass 1999 noch weit über die Hälfte der Teilnehmer Repeaters waren, also solche die schon zum zweiten oder mehrfachen Male auf Hawai’i starteten. Doch bereits im Jahre 2000 übernahmen die Firsttimer die Mehrheit. Und im 2007 hatte man Mühe, überhaupt noch welche mit mehreren Teilnahmen zu finden. Man war da, hat sich dabei finanziell ruiniert und gemerkt, dass das Rennen selbst eigentlich eher unattraktiv ist.
Was bewegt einem jetzt aber dennoch, nochmals dahin zu gehen. Grundsätzlich einfach die ganze Show. Der amerikanische Organisator versteht es, mit einem genialen Marketing, dem Teilnehmer das Gefühl zu geben, etwas Besonderes zu sein. Mit perfekter Organisation und einem in der Szene sonst nirgends zu erlebenden Spektakel ist man Teil dieser exklusiven Welt. In den letzten fünf Jahren wurde wieder vermehrt versucht, die lokale Kultur und den Aloha-Spirit in den Anlass einzubinden. Dies ist, verglichen mit vorher, auch sehr gut gelungen. Straffe Strukturen und Abläufe geben dem Event einen unvergleichlich professionellen Anstrich. Die Atmosphäre in der Vorwoche, die Demonstration von Narzissmus sowie die Integration von neuen Trends ins ganze Gebilde sind einmalig. Was meiner Meinung nach jedoch am meisten ausmacht, sind die zahlreichen freiwilligen Helfer. Die Menge an Enthusiasmus, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der über 5000 Volunteers (und dabei möchten eigentlich noch viele mehr am Anlass helfen), ist absolut einzigartig auf diesem Planeten. Wenn es sich lohnt (neben vielem anderen natürlich wie zum Beispiel Palmen, Strand, Sonne), nach Hawai’i zu reisen, dann nur schon wegen diesen Helfern..."
(zitiert aus FreeRadicals Blog)
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